Meine erste Brautkleid-Anprobe

Bildschirmfoto 2016-01-12 um 17.36.25

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Moment mal, wieso schaue ich auf dem Bild denn so traurig? Ich heirate doch, da müsste ich doch mit dem breitesten Grinsen vor dem Spiegel stehen oder? Ja, irgendwie schon. Aber irgendwie hatte ich zum aller ersten Mal in meinem Leben ein weißes Kleid anprobiert. Ich hatte es davor nie getan, weil ich mich auch ein wenig an den Aberglauben hielt “wer vorher schon ein Hochzeitskleid anzieht, dem bringt die Ehe unheil”. 

Als ich mich selber im Spiegel betrachtete, wurde mir bewusst, dass ich hier gerade kein Partykleid für meinen anstehenden Geburtstag kaufte. Sondern hier wurde gerade mein Hochzeitskleid angefertigt. Das Wort, dass in meinem Leben so weit weg schien, dass ich mich noch gar nicht mit dem Gedanken von “Heirat” richtig beschäftigen konnte. Es kam mir so vor, als hätte man mich kopiert und in ein beliebiges Kapitel eingefügt. Die Zeit verging so schnell, bald bin ich mit Onur schon zwei Jahre zusammen. Kannte ich ihn eigentlich? Wann kennt man jemanden eigentlich genau? Genau diese Fragen schossen mir in den Kopf, während mich die Frau “wie soll dein Kleid überhaupt ausschauen”, fragte.

Auf meinem Handy hatte ich seit einigen Monaten schon ein Bild eines Traumkleides abfotografiert und wollte exakt das Kleid haben mit einigen Extrawünschen. Während meine erste Anprobe stattfand wurde von mir dieses Bild gemacht, als ich mich im Kleid betrachtete dachte ich – so schnell kann alles also gehen. Das war eben der Moment, in dem ich nur aus einem Grund irgendwie traurig wurde: es wurde ernst. Ich arbeite an meinen eigenen vier Wänden, lebe mit meinem Mann zusammen und kehre Abends nicht mehr zu meiner Mama nach Hause. Ich wurde traurig, weil ich das irgendwie rührend fand mich selber im Brautkleid zu sehen. Es hatte alles irgendwie etwas von Neubeginn aber zugleich Abschied. Deshalb ist dieses Bild für mich ein sehr wertvolles Bild, weil es so viel aussagt. Das ich natürlich mit Freude aus dem Brautmodengeschäft rausgegangen bin ist eine andere Sache aber diese 2 Minuten “Denkpause” konnte mir keiner nehmen. Ich habe an viele gedacht. An viele Menschen denen ich wirklich Wert zugesprochen habe, allerdings niemand meinen Wert zu schätzen wusste. Ich habe daran gedacht, wie meine Mama alleine Zuhause ist ab einen bestimmten Zeitpunkt ohne mich. Irgendwie fand ich das noch trauriger. Ich habe Angst, dass sie sich alleine fühlt. Die zweite Anprobe war wiederum voller Energie und voller Freude aber den ersten emotionalen Moment meinerseits, werde ich nie vergessen.

Manche Menschen reden über mich, weil sie mich nach meinem Verlobten sogar urteilen. Es ist unglaublich. Mein Verlobter hatte keine reine Vergangenheit. Viele Frauen etc. – das kann man im Beitrag hier lesen. Das er sich hinterher geändert hat, habe ich auch beschrieben. Mit Höhen und Tiefen sicherlich aber im Endeffekt hat er sich geändert. Das sich Menschen erlauben über meinen Ruf zu reden, weil er keine weiße Weste hat, finde ich wirklich erschreckend. “Häng nicht zu viel mit Esra ab, nicht das du einen schlechten Ruf bekommst, guck mal mit wem sie verlobt ist, wie gut kann da ein Mädchen sein?”. Lächerlich.

Ich habe mich immer gefragt wem ich heirate. Man fragt sich das immer. Das ich auf einmal mitten im Geschehen stand, konnte ich nicht glauben. Ich habe aber wirklich alles gekauft aus Istanbul. Allahim herkeze böyle güzel bir telas nasip etsin. Jetzt beginnt die Wohnungssuche. Es ist alles so aufregend und ich bin einfach nur glücklich. Das der Stress mich insgeheim belastet, weil ich einfach kaum mit Stresssituation umgehen kann, verleugne ich nicht. Am besten wäre es für mich, wenn mich jemand über meine Hochzeitstage einfach begleitet und mir klare Bahn macht aber das wird schwierig, weil einfach jeder seinen Alltag hat.

Mein Brautkleid wird wundervoll aussehen, dessen bin ich mir sicher. Ich fliege im März noch einmal dorthin für meine letzte Probe. Seid ihr auch in so einem Stress? Oder wie verlief es bei euch?

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