Die dunkle Seite Istanbuls

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Ich bin seit zwei Tagen wieder zurück und meine Mine ist so weit unten, dass man mir wirklich nicht auf der Straße begegnen will. Obwohl, auf der Straße in Berlin ist man neben so vielen verrückten Menschen doch eh unsichtbar.

Eigentlich wollte ich diesmal wieder mit breitem lachen über die schönen Dinge Istanbuls erzählen aber leider entführe ich euch heute in eines der dunklen Seiten Istanbuls. Eigentlich auch der wesentliche Punkt, wieso ich ernsthaft nachgedacht habe nicht mehr in die Türkei zu ziehen aber den genauen Entschluss habe ich nicht gefasst.

Es war ein wundervoller Tag in Istanbul. Meine Schwiegermama und ich stiegen ins Auto, sangen fröhlich Demet Akalins “Gölge” Song mit und überbrückten somit die ungeheuren Wartezeiten des Verkehrs. Es ist ja dauernd Stau. Stau, stau, stau, stau, stau! Als wir endlich in meinem Brautmodengeschäft angekommen waren, ermahnte meine Schwiegermama mich schon schnell “Sprich nicht auf Deutsch, sprich am besten gar nicht, lass mich das machen”. Das wir deutsch-türken uns immer und immer wieder mit dieser Regel selber entblößen ist unglaublich. Wir steigen in ein Taxi und wollen so türkisch wie nie sein, rollen sogar die Wörter so istanbulisch wie möglich, damit es nicht auffällt, aber ein kurzer Blick des Taxisfahrers über den Rückspiegel reicht, um an meiner roten Jacke und meinem roten Hut, sprich total europäischen Style zu erkennen, dass ich einfach nicht am Eminönü in dem Aufzug als Einheimische einsteige. Das Ende vom Lied? Der Satz “sprich kein Deutsch” bringt uns trotzdem nichts, der Taxifahrer verarscht uns wieder. (Ich mache ja immer Navigationssystem an, auch wenn die sich immer darüber aufregen..Pf!)

Als ich mir dann die Brautkleider anschaute fand ich sehr viele schöne Modelle, wollte aber das mein Kleid selbst entworfen und genäht wird. Die Anfrage nach dem Preis müsste euch auch bekannt vorkommen: Schnell wird ein Taschenrechner gezückt um den Preis darin einzutippen. Die Worte des Verkäufers “Der letzte Preis wäre das hier”. Das der letzte Preis den er dort angegeben hat natürlich einige Übertreibungen hat, wissen wir alle, jetzt kommt die Diskussionsrunde. Pro und Contra Argumente fallen zwischen Käufer und Verkäufer. Der Verkäufer muss die Ware loswerden, deshalb werden Familienprobleme, gewisse Vertrautheit und einige Handberührungen ins Spiel gebracht, damit der Käufer sich eventuell emotional dem Gegenüber bindet. Passiert bei uns aber leider kaum, denn wer meine Schwiegermama kennt, weiß dass diese Frau mit allen Wassern gewaschen ist. Pro und Contra hört also kaum bei einem Ziel auf. Das tippen am Taschenrechner wird jahrelang weitergehen, den Sinn darin habe ich bis heute nicht verstanden.

Aber eigentlich wollte ich auf ein ganz anderes Thema: als wir mitten im Einkaufswahn waren, kam ein unerwarteter Anruf. Onurs Oma ist in einem sehr schlechten Zustand, wir mussten ins Krankenhaus eilen. Es ist 14 Uhr ca. die Straßen sind voll! Wir kommen erst mit einer Stunde Verspätung ans Ziel im Krankenhaus. Das Krankenhaus war ein normales Bezirkskrankenhaus. Als ich den “Notruf” Eingang betrat, traute ich meinen Augen nicht. Türkische Krankenhäuser sind das was man Berliner Jobcenter (x3) nennt. Ein überfülltes Wartezimmer. Einer blutet, der andere kriegt ein Serum im sitzen, einer wird blutend eingeliefert und wird für ne halbe Stunde im Flur liegen gelassen. An den Gängen gibt es kein Desinfektionsmittel. Die Patienten werden je nach Schwerfall eingestuft. Wer ein gebrochenes Bein hat, kann mit 2 Stunden Wartezeit rechnen. Eine offene Wunde 4 Stunden und ein Herzinfarkt ist wirklich ein echter Notfall. Und dann gibt es noch die vielen anderen “kleinen” Krankheiten, die den ganzen Tag dort verbringen. Manche kriegen sogar eine Wartenummer (!!!!). Und ja, ich schreibe hier über ein Krankenhaus. Es wurden immer mehr Patienten in die Notaufnahme gebracht, bis der Doktor den Übermaß fotografierte und es als Beweismittel einem anderen Bezirkskrankenhaus per Whatsapp (!) schickte. Und ich rede hier von angeblichen professionellen Arbeiten, das für uns Deutsche eine große Selbstverständlichkeit ist. Selbst als gesunde Person, kam ich als kranke wieder heraus, so sehr hat es mich mitgenommen. Unserer Oma geht es halbwegs besser aber die Krankenhäuser in der Türkei werden mich definitiv weiterhin verfolgen. Natürlich gibt es private Krankenhäuser, wo man für viel Geld wie ein Luxusmensch behandelt wird aber geht man von der Mehrheit in der Türkei aus, so kann man sagen, dass man als Individuum dort aufgeschmissen ist. Menschen werden dort wie ein Gegenstand behandelt!

An einem anderen Tag waren wir im Istiklal Caddesi. Natürlich war ich wieder so verliebt wie nie in die Umgebung, als ich einen kurzen Blick in die Seitenstraße warf. Ein ca. 14 jähriger Junge schlug einen 6 jährigen Jungen so dermaßen zusammen, dass ich stehen geblieben bin. Ich wollte etwas machen, ich konnte doch nicht einfach so zusehen, dachte ich. Aber der 14 jährige war ein “Tinerci” ein Junkie und in der Türkei ist es einfach so, dass niemand hilft, weil der einfach sein Messer zücken kann oder aufeinmal andere Junkies dazu ruft. Also stand ich da wie gelähmt und als der Junge dann gesehen hat, dass er beobachtet wurde, ist er gegangen. Das ich nichts machen konnte für den kleinen Jungen das tut mir bis heute leid. Es ging mir stundenlang nicht aus meinem Kopf. Während ich so verliebt in den Istiklal Caddesi war habe ich all diese kleinen dunklen Gassen immer übersehen. Diesmal habe ich genauer hingeschaut und es hat mir Angst gemacht. Viele Süchtige, viele Zigeuner, die komplette Unter-unterschicht hatte sich dort gefunden. Es war als wäre ich nicht mehr in meinem Istanbul, es war, als wäre ich in eine ganz dunkle Welt abgetaucht. Mit dem Auto bat ich einen Freund, weiter in die Gassen zu fahren und er brachte mich in ein Viertel, dass werdet ihr mir nicht glauben. Dort war nur, wie soll ich sagen, Dreck. Wirklich Dreck. Heruntergekommene Häuser, Kinder ohne Perspektive mit einem Beutel in der Hand, schnüffelnd am Klebstoff. Minderjährige mit Alkohol in der Hand. Transen, Zigeuner und viel viel Dreck. Das ist das einzige was ich sagen kann. Würde ich als ein Mädchen um 20 Uhr dort lang laufen, würde ich tot aus rauskommen, so krass war es dort. Ich war fassungslos über diese Orte in Istanbul, welche mich extrems abgeschreckt haben. Aber einerseits hat es mein journalistisches Interesse mehr geweckt! Ich muss mehr sehen dafür brauche ich aber das Auto und eine Zentralverrieglung haha. Im März bin ich nochmal dort und ich versuche einfach mal den “Dreck” mitzubringen! Das müsst ihr sehen!

Jetzt kommen wieder ganz viele Beiträge. Promise!

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